Der Vergleich mit den Profis wurde zum Kampf gegen mich selbst

„Your body drives you to the line but your mind makes you cross it“

– Sebastian Kienle

 

Buschhütten Kurztriathlon (1-40-10)

Startgruppe mit 53 Profis, Halbprofis und mir 🙂

Wie formuliert man einen Bericht über einen völlig verkorksten Saisonstart so, dass er spannend und humorvoll bleibt?

Genau hier liegt dieses Mal mein Problem. Bisher konnte ich über meine schusseligen Fehler lachen. Auf meinen chaotischen Lebensstil war stets Verlass. So wie beispielsweise letztes Jahr in Griesheim.

IMG_6970

 

In Buschhütten sollte alles anders kommen…

Pünktlich am Start, viele Bekannte Gesichter meines ehemaligen Kölner Vereins wieder getroffen, top Wetter, neues Material und dann die ganzen Profis.

 

 

 

 

 

IMG_6981

Buschhütten ist bekannt für seine professionelle Ausrichtung mit Bundesliga-Teams und Ironman-Berühmtheiten.

So war z.B. Andreas Raelert am Start. Konstant über drei bis vier Jahre bester Triathlet und Weltrekordhalter auf der Langdistanz.

 

Andi erstmal erklären wie das geht 😉

 

Startschuss !

Mein Plan war 15 Min. Schwimmen, 60 Min. Radeln und 36 Min. Laufen.

Mein Plan war Vollgas.

Mein Plan war realistisch
Mein Plan hielt 200 m 😀

IMG_7044Die restlichen 0,8 km im Wasser, 40 km auf’m Rad und 10 km im Laufschuh wurden zu einer Qual der unangenehmsten Art: Der gedanklich-unfokussierten Art.

 

Normalerweise ist meine Schmerzgrenze im Wettkampf immer komplett ausgeschaltet. In anderen Worten: Ich bin sehr gut darin, mich selber zu treten und immer noch einen draufzusetzen.

Weg vom Schwimmbad zum Rad

 

 

Was ging schief?

1.) Ablenkung deluxe

Ich war von Anfang an damit beschäftigt, den Anschluss zum Rest nicht zu verpassen.

Sehr früh stellte ich fest, dass es ein Rennen um den Titel „Last out of water“ zwischen Fabian und mir wird (zumindest im Wasser). Es war mir unerklärlicherweise wichtiger, diesen Titel nicht zu tragen, als mich auf meine Schwimmtechnik zu konzentrieren. Hier habe ich in den letzten Wochen so viel neuen Input von meinem Schwimmtrainer Jürgen bekommen und bin wirklich schneller geworden. Automatisiert war vieles davon leider noch nicht und bedurfte eigentlich meiner vollen Aufmerksamkeit. Fabian – ebenfalls nicht sehr interessiert an dem Titel – zog am Ende echt gut an und war schließlich 20 Sek. vor mir aus dem Wasser.

 

IMG_7031Viel schlimmer: Ich blieb 1:30 min. hinter meiner Zielzeit.

Noch viel schlimmer: Auf dem Rad ging das Orientieren und Suchen nach der Konkurrenz weiter.

Noch viel, viel schlimmer: Auf der Laufstrecke war dann nichts mehr drinnen – und zwar im Kopf. Ich konnte diese Schmerzgrenze einfach nicht ausschalten und dümpelte mit einem 4er-Schnitt (40 Min. auf die 10 km) da nur noch so rum.

 

 

 

Laufrunde 6,7 oder 8?

2.) Koppeleinheiten: Mangelware

Aufgrund verschiedener zeitlicher Umstände konnte ich kein Koppeltraining durchführen. Koppeln bedeutet, dass zwei der drei Disziplinen hintereinander trainiert werden. Es fehlte also die körperliche Umstellungsfähigkeit vom Schwimmen auf’s Rad und vom Rad auf’s Laufen. Zweiteres mündet direkt in das dritte Problem…

 

3.) Radposition: In Bernie-Manier vergessen

Um den Bogen zu schließen fehlte es auch hier nicht an schusseligen Fehlern. Ich vergaß total, den Triathlon-Aufleger zu bestellen und musste das somit in der Woche vor dem WK erledigen. Dass dadurch keine Zeit mehr blieb, die neue Position vernünftig von Delta Bike messen zu lassen, stand auch fest.

Also Lenker verstellt, Sattel verstellt, alles verstellt.

Das wurde mir auf dem Rundkurs auf der HTS (Autobahn durchs Siegerland) zum Verhängnis. Die Radstrecke war verdammt schnell und ging nur geradeaus. Also perfekt geeignet für die Zeitfahrposition, die nur mit Aufleger funktioniert. So stieg ich entsprechend eingerostet und verspannt vom Rad und das sollte auch so bleiben. Yoga sei dank, bin ich insgesamt etwas beweglicher geworden. Haha, an dieser Stelle könnte ich direkt den nächsten Vergleich starten… 😀

sieht nicht schnell aus – war es auch nicht 😛

 

Also zusammengefasst war die Ablenkung und die schlechte unspezifische Vorbereitung für Buschhütten dafür verantwortlich, dass ich weit hinter meinen Möglichkeiten und Erwartungen ins Ziel kam.

Endzeit: 2:01 h.

Und welche Schlüsse ziehe ich nun daraus?

Der Umgang mit Drucksituationen beginnt mit der Erfahrung an sich. Sich dem Druck aussetzen und weiter sein eigenes Ding durchziehen, das ist mein neues Trainingsziel, damit so etwas nicht mehr passiert. Hinfallen, um zu wissen, wie man aufsteht, hat schon vielen geholfen.

Andre Agassi brachte die Enttäuschung ganz gut auf den Punkt:

Ein Sieg ist nur halb so schön wie eine Niederlage zerschmetternd ist“

 

IMG_7034

Sieger (Andreas Böcherer) und Verlierer (Lachen ging doch wieder 🙂 )

 

Leave a reply

Your email address will not be published.