Saisonabschluss zwischen Stolz und Schmerz

Cologne Triathlon Weekend, Olympisch, 03.09.2016

Sehr motiviert und sogar teilweise erholt sollte es ein sehr action-geladener Abschluss dieser Saison werden mit dem Köln Triathlon am Samstag und dem Regionalliga Team-Wettkampf am Sonntag.
Die Action ist bei mir ja immer vorprogrammiert, die Überraschungen auch. Was an diesem Wochenende aber alles schief ging, will ich euch nicht vorenthalten – den unter Schmerzen erkämpften 10. Platz aber auch nicht !

Der Rudensee als Auslöser

ein Schritt zu viel!

ein Schritt zu viel!

Es begann alles völlig harmlos mit einem Sprung in den Gletscher See beim Abstieg der Roten Wand (ca. 2700 m Höhe).
Ich war der messerspitzen Felsbrocken im See natürlich [nicht] bewusst, und zog mir eine Schnittwunde unter dem re. Fuß zu. Halb so wild, Tape drum, weiter geht‘s !
Wir hatten schließlich noch 2 Stunden Abstieg vor uns…Auch zwei Trainingseinheiten im Laufschuh in der Woche vor dem Köln Triathlon liefen noch gut.

Home ist, wo der Dom ist

Start

Start

Ausgerüstet mit Tape ging es nach Köln. Ich hatte dieses Mal eine besondere Wechselzone mit Tapestreifen vorbereitet, die ich nach dem Schwimmen erst anbringen wollte.
Der Wettkampf: 1,5 km Schwimmen, 40 km Rad, 10 km Laufen.
Ein Highlight vor der Katastrophe (ich hoffe mir gelingt der Spannungsaufbau innerhalb dieses Beitrages?!?), war die Schwimmzeit mit 24:35 min.

Die 25 min. versuche ich schon so lange zu knacken, wie das Eichhörnchen aus Ice Age seine Nuss.
scrat-7914Neoprenanzug und Regattabahn halfen mir dabei selbstverständlich nur marginal 😉
In der Wechselzone warteten schon meine Tapesteifen auf mich. Irgendwie habe ich es allerdings geschafft, dass die Tapestreifen nach dem Ausziehen des Neos an genau diesem festklebten und nicht unter meinem Fuß. Ziemlich doof in dem Moment, wo es doch besonders schnell gehen soll. Also die Zeit, die ich beim Schwimmen gut machte, verlor ich durch Rumtüddeln in der Wechselzone.
Das Radfahren wiederum war super. Mit 39er-Schnitt fegte ich über den Asphalt. Vor mir, hinter mir, neben mir und über mir wurden blaue Karten verteilt ohne Ende. Blaue Karte steht wahrscheinlich für hochqualifizierte Triathleten, denen ein legaler Aufenthalt in der EU angeboten wird. Nun, mir blieb dieses Privileg, das man nur in Verbindung mit einer Zeitstrafe erhält verwehrt. Glück im Spiel, Pech im Fuß.

The Mental Game

Denn schon der erste Schritt im Laufschuh kündigte einen Kampf gegen Schmerz und Hitze an. Hitze? Gar kein Thema!
Schmerz? Auch kein Thema für mich! Zeichnet mich doch genau diese Fähigkeit des Beißens und Kämpfens jenseits der Schmerzgrenze aus. So begann ich auf Zehenspitzen zu laufen, um den Mittelfuß zu entlasten. Dementsprechend war meine Muskulatur nach ca. 3 km (von 10!!!) erschöpft. Adrenalin? Endorphin? Selbst meine beiden endogenen Freunde konnten dem pochenden Schmerz im re. Fuß nichts aussetzen.
Jetzt begann das „Mental Game“, wie Macca es in seinem Buch beschreibt (sehr zu empfehlen!). Ich probierte es mit Konfrontation: Ein wirksames Werkzeug, dass ich eigentlich in meiner Arbeit als Sportpsychologe mit Athleten und Klienten einsetze. Dass es mir selbst in der stressreichen Situation half, den Schmerz mit Stolz zu überlagern, bestätigt nicht nur meinen Kämpferwillen, sondern auch die Effektivität meiner Arbeit. So überstand ich KM 3 bis 8. Muskulär war dann einfach Schluss. Ich wollte nur noch umkippen, als mir ein Zuschauer zuschrie, dass ich auf Platz 10 war. Ich ersetzte den Wunsch „Umkippen“ mit „Platz 10 halten um jeden Preis“ und kämpfte mich mit einer 4:30er Pace (sonst: 3:40er) ins Ziel. Der Mind-Set hat funktioniert!

Der Kampf ist weniger sichtbar als hörbar :-/

Mit 8 sek. Vorsprung konnte ich den zehnten Platz gerade so verteidigen. Dass ich zusätzlich zweiter in meiner Altersklasse wurde, ging bei der notärztlichen Versorgung im Ziel völlig unter, genauso wie die überraschende Vorwahl in McPom. Die anfangs so unscheinbare Verletzung hatte sich entzündet. An einen Start einen Tag später für das Triathlon Team Gießen war gar nicht mehr zu denken. Aufgrund mehrere Umstände stieg die erste Mannschaft leider einen Tag später aus der Regionalliga ab. In dem Zusammenhang war auch ich mit Vorwürfen konfrontiert, so dass ich notwendige Konsequenzen daraus ziehe. Im Sinne des Teams hätte ich mir ein anderes Ende gewünscht.
Abschließend zu meiner Verletzung:
Die heilt wieder! Was bleibt, ist der Stolz und die mentale Stärke.
Ich denke genau diesen Zweck erfüllt der Sport Triathlon: Das Testen der mentalen Stärke. Es geht letztlich darum Herausforderungen anzunehmen und Hindernisse zu überwinden.

Comment ( 1 )

  1. ReplyFlo

    Wow, sehr gut gekämpft!

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